HORMOCENTA

 

Annabelle's Blog

Hallo liebe Leser,
das ist meine erste Geschichte vom Leben für Euch. Es geht um die Gefühlswelt zwischen Mutter und Tochter. Es war eine große Herausforderung der „Perspektive Tochter“ gerecht zu werden und diese Achterbahnfahrt der Emotionen in Worte zu fassen. Ich bin gespannt auf Eure Reaktionen und ob Ihr Euch auf einer der beiden Seiten wieder findet?
Bis bald,
Eure Annabelle
Ich bin Ich und Du bist in meinem Ich Ich will nie so werden wie meine Mutter.
Wer hat sich das nicht schon einmal gesagt? Und dann gemerkt, ich bin ganz genauso wie sie!

Als Kind war meine Mutter mein Idol. Meine Liebe für sie unerschütterlich. Sie war wunderschön, wusste auf all meine Fragen eine Antwort und schenkte mir Geborgenheit. Wenn ich müde war strich sie liebevoll mit ihren Fingern über mein Haar, bis ich einschlief. Ein Leben ohne sie war unvorstellbar. Oft sagte ich zu ihr „Wenn wir sterben, sterben wir zusammen.“ Eine einfache, bedingungslose Liebe verband uns von Anfang an.

Mit dem Älter werden kam die Erkenntnis, dass meine Mutter auch nur ein Mensch ist. Zum Mensch sein gehört es Fehler zu machen. Ich sah ihre Fehler und stellte sie mehr und mehr in Frage. Eine Art Rebellion begann. Sie verstand mich nicht, sie wollte Einfluss auf mein Leben nehmen. Ich wollte mich selbst finden. Ich brachte Ihr so viel Abneigung entgegen. Bitterböse stritten wir. Worte flogen unbedacht. Ich fühlte mich betrogen. Ungeliebt. Sie fühlte sich betrogen. Ungeliebt. Heute weiß ich, wir konnten es nicht besser. Wir sind Menschen und um uns herum passieren Dinge die unser Leben beeinflussen. Nicht immer haben wir alles unter Kontrolle. Wahrscheinlich weniger als wir denken. Wir wachsen kontinuierlich. Verständnis ist nicht einfach.

Als junger Mensch suchte ich meinen Platz in der Welt. Meine Mutter und ich fanden uns an einem neuen Ort wieder. Doch wir hatten uns gegenseitig Wunden zugefügt. Worte können lange hallen. Die reine Beziehung aus Kindertagen war passé. Um ich zu werden war es meine Aufgabe sie von dem Podest auf das ich sie gehoben hatte runter zu holen. Sie musste lernen ihr Kind ziehen zu lassen. Ein emotionales Thema. Vielleicht hat sie sich gefühlt wie ein gefallener Star - obwohl ihre Aufgabe in meinem Leben nun bedeutender ist als jemals zuvor. Jetzt ist es mein Wunsch sie nach Rat zu fragen. Wirkliche Überzeugung, dass sie eine Antwort für mich hat. Nicht alles was man bewusst möchte, kann man einfach umsetzen. Das Unbewusste stellt Hürden auf. Verzeihen ist nicht einfach.

Heute bin ich „fast“ erwachsen und wir begegnen uns auf Augenhöhe. Oft schaue ich in den Spiegel und sehe sie. Ich mache Dinge auf ihre Weise. Sie hat mich geprägt. Von Anfang an hat sie mir ihre Welt gezeigt. Wie konnte ich das nicht erkennen? Auf eine Art und Weise bin ich ihres. Verständnis zeigen und Verzeihen ist jetzt einfacher. Entschuldigung sagen tut gut.